FHIR-Explorer · Grundlagen

FHIR-Grundlagen — so viel wie nötig, so kurz wie möglich

Diese Seite erklärt die Konzepte, die dir in FHIR-Projekten ständig begegnen. Du brauchst kein technisches Vorwissen — und kannst jederzeit ins Beispiel wechseln, um alles live zu sehen.

Was ist FHIR?

HL7 FHIR® (gesprochen „Fire“) ist der internationale Standard dafür, wie Gesundheitsdaten digital beschrieben und ausgetauscht werden. In Deutschland basieren unter anderem die elektronische Patientenakte (ePA), das E-Rezept und das Verzeichnis der Telematikinfrastruktur auf FHIR.

Die Grundidee: Statt großer, monolithischer Dokumente werden Informationen in kleine, wiederverwendbare Bausteine zerlegt — die Ressourcen. Jede Ressource beschreibt genau eine Sache: eine Person, eine Organisation, einen Messwert.

FHIR® ist eine eingetragene Marke von Health Level Seven International (HL7). Die Nutzung der Marke impliziert keine Zugehörigkeit zu oder Billigung durch HL7.

Ressourcen — die Bausteine

FHIR definiert über 140 Ressourcentypen. Für den Einstieg reichen eine Handvoll — viele Namen erklären sich fast von selbst:

  • Patient

    Eine behandelte Person

  • Practitioner

    Eine Ärztin, ein Pfleger — Personen im Gesundheitswesen

  • Organization

    Eine Praxis, Klinik oder Krankenkasse

  • PractitionerRole

    Die Rolle einer Person in einer Organisation

  • Observation

    Ein Messwert, z. B. Blutdruck

  • Medication

    Ein Arzneimittel

Jede Ressource hat fest definierte Felder. Im FHIR-Explorer siehst du sie als Formular — inklusive Beschreibung und Kardinalität pro Feld.

Referenzen — wie Ressourcen zusammenhängen

Eine einzelne Ressource sagt wenig aus. Erst durch Referenzen entsteht ein Bild: Die Rolle „Hausärztin“ verweist auf die Person Dr. Weber und auf die Organisation MVZ Sonnengarten. So beantwortet FHIR die Frage „Wer arbeitet wo in welcher Rolle?“

Wie FHIR-Ressourcen zusammenhängen: Beispiel PraxisteamEine PractitionerRole verbindet die Ärztin Dr. Julia Weber mit der Organisation MVZ Sonnengarten und dem Standort Neukölln. Die hausärztliche Versorgung wird von der Organisation angeboten, der Standort gehört zur Organisation.practitionerorganizationlocationprovidedBymanagingOrganizationPractitionerDr. med. Julia WeberPractitionerRoleHausärztin im MVZHealthcareServiceHausärztliche VersorgungOrganizationMVZ SonnengartenLocationStandort Neukölln

Genau dieses Szenario kannst du im Beispiel selbst erkunden — inklusive interaktivem Diagramm.

Profile, Packages und Implementierungsleitfäden

Der FHIR-Standard ist bewusst allgemein gehalten. Damit er in einem konkreten Land oder Projekt funktioniert, wird er präzisiert:

  • Profile legen fest, wie eine Ressource in einem bestimmten Kontext aussehen muss — etwa welche Felder Pflicht sind und welche Codes erlaubt sind. Beispiel: das Profil „Patient“ der deutschen Basisprofile.
  • Packages bündeln alle Profile, Terminologien und Beispiele eines Projekts in einer versionierten Datei — vergleichbar mit einem Software-Release.
  • Implementierungsleitfäden (IGs) dokumentieren, wie das alles anzuwenden ist. Die gematik veröffentlicht ihre Spezifikationen — etwa für die ePA — als solche Leitfäden mit zugehörigen Packages.

Im FHIR-Explorer importierst du ein Package und siehst dann dessen Profile und Abhängigkeiten — und kannst Beispieldaten gegen die Profile validieren.

Kardinalitäten — was ist Pflicht, was ist optional?

Hinter jedem Feld steht eine Angabe wie 0..1 oder 1..*. Die erste Zahl sagt, ob das Feld Pflicht ist, die zweite, wie oft es vorkommen darf:

0..1

Optional, höchstens einmal

Das Geburtsdatum einer Person.

1..1

Pflicht, genau einmal

Der Status eines Termins.

0..*

Optional, beliebig oft

Telefonnummern einer Praxis.

1..*

Pflicht, mindestens einmal

Mindestens ein Identifikator für eine Versicherte.

Typische Feldtypen

Einige Feldtypen tauchen in fast jeder Ressource auf. Wer sie einmal verstanden hat, findet sich überall zurecht:

Identifier

Eine eindeutige Kennung mit Angabe des vergebenden Systems — etwa eine Versichertennummer oder eine Betriebsstättennummer (BSNR).

Coding & CodeableConcept

Ein Wert aus einem Katalog (z. B. einer Diagnose-Klassifikation) statt Freitext. So bleibt „Hausärztin“ maschinenlesbar und vergleichbar.

Reference

Ein Verweis auf eine andere Ressource, z. B. von einer Rolle auf die Person. Referenzen machen aus einzelnen Bausteinen ein zusammenhängendes Bild.

Quantity

Ein Messwert mit Einheit, etwa 120 mmHg. Die Einheit gehört immer dazu.

Period

Ein Zeitraum mit Beginn und Ende — etwa die Gültigkeit eines Vertrags oder eine Beschäftigungsdauer.

HumanName & Address

Strukturierte Namen und Adressen mit klar definierten Bestandteilen wie Vorname, Nachname, Postleitzahl.

Bundles — mehrere Ressourcen als Paket

Für den Austausch werden zusammengehörige Ressourcen oft in einem Bundle gebündelt. Ein Krankenhausaufenthalt könnte etwa so aussehen:

PatientEncounter (Aufenthalt)Observation (Vitalwerte)Condition (Diagnose)MedicationRequest (Verordnung)

Im FHIR-Explorer kannst du solche zusammenhängenden Datensätze anlegen, prüfen und als Bundle exportieren.

Glossar

Ressource (Resource)
Der Grundbaustein in FHIR: eine abgegrenzte Informationseinheit wie Patient, Organization oder Observation.
Referenz (Reference)
Ein Verweis von einer Ressource auf eine andere — so entstehen Zusammenhänge.
Profil (Profile)
Eine verbindliche Präzisierung einer Ressource für einen konkreten Anwendungsfall, z. B. „Patient in Deutschland“.
Extension
Ein definierter Erweiterungspunkt, wenn ein Projekt Felder braucht, die der Standard nicht vorsieht.
ValueSet & CodeSystem
Kataloge erlaubter Codes (CodeSystem) und projektspezifische Auswahlen daraus (ValueSet).
Package
Ein versioniertes Paket aus Profilen, Terminologien und Beispielen — die technische Lieferform eines FHIR-Projekts.
Implementierungsleitfaden (IG)
Die Dokumentation, wie FHIR in einem Projekt angewendet wird. Wird meist als Package veröffentlicht.
Kardinalität
Gibt an, wie oft ein Feld vorkommen muss oder darf, z. B. 0..1 oder 1..*.
Bundle
Ein Container, der mehrere Ressourcen zu einem Paket bündelt — etwa für eine Übermittlung.

Theorie reicht? Dann sieh es dir live an.

Alle Konzepte dieser Seite findest du im Beispiel wieder — als Formulare, Referenzen und Diagramm.